Es gibt keine alten Menschen.
Um es noch deutlicher zu sagen: Ich werde nie alt.
Sie finden das dümmlich, paradox oder (na eben!) altersgemäß verwirrt? Weit gefehlt, auch wenn Sie sagen: „Schau doch in den Spiegel oder auf den Geburtsschein!“ Ich kann das mit Zahlen belegen. In den USA fragten Meinungsforscher, wann man „alt“ sei. Die Antwort war eindeutig: Mit 85. In einem Land, wo die Lebenserwartung bei 76 liegt, heißt das: Der Durchschnittsamerikaner stirbt 9 Jahre, bevor er alt ist.
Warum sollte das bei uns anders sein?
Alt sind immer nur die Älteren – älter als man selbst.
Und das fängt früh an. Ich kann mich noch gut an eine sprudelnde Erzählung meiner 14jährigen Tochter über zwei „komische Alte in der Straßenbahn“ erinnern. Und wie alt waren die, fragte ich. „Na, sowas 40“. Rumms, das saß: Die 46jährige Mutter wusste nun, wo sie stand – und dabei dachte sie sich gerade einmal end-jung. In den umweltbewegten Jugend-Zirkeln der 90er Jahre nannte man ja auch uns Mittelalterliche zartfühlend „Komposties“, in anderen Kreisen nicht minder entzückend „Grufties“.
Dieser Jugend-Jargon hat zielgenau die Wunde des Alt-Seins erwischt: Das Wissen um die Nähe des Endes. Ja, das ist beunruhigend, traurig, angsteinflößend. Aber ohne diese dunkle Wahrheit verdrängen zu wollen: Wer nur auf den Schatten starrt, der wird das viele wunderbare Licht nicht genießen. Und es gibt viel Licht im Alter, das bestätigt auch die Wissenschaft.
Im Alter fühlt man sich besser – damit sind freilich nicht die krachenden Bandscheiben und maroden Kniegelenke gemeint. US-Wissenschaftler fanden vor ungefähr zehn Jahren das “Emotions-Paradox in alternden Gehirnen“ und das macht uns glücklicher, freier: Alte Gehirne reagieren weniger auf negative Situationen, könne negative Stimuli besser ignorieren und rufen häufiger positive als negative Informationen ab. Die (Lebens-)Erfahrung lehrt: Negatives hat auch ein Ende. Daraus kann der alte Mensch eine gefühls-optimierende Super-Kraft entwickeln: Er kann willentlich üble Emotionen ausblenden – und einfach ausgeglichen, optimistisch, ja lebenslustig sein.
Zu Recht, wie eine andere Studie belegt: Mit den (späten) Jahren wird „man“ (will heißen: der Durchschnitts-Alte) netter und gütiger, weniger ängstlich und deprimiert. Mit 70, fanden die Wissenschaftler, hat man das höchste Selbstwertgefühl – ha, wer redet da noch von Jugendkult und Altersdiskriminierung!! -, das dann zwar leicht abnimmt, aber mit 80 durchschnittlich immer noch höher ist als mit 30. Und dann hat das Alter laut US-Psychologen noch einen besonders netten Nebeneffekt: Man beneidet niemanden mehr – zumindest, was Erfolg, Sozialprestige oder Aussehen betrifft.
Naja, um die Jugend vielleicht? Aber nein, der fehlt ja noch die Abgeklärtheit, die Gelassenheit – die Schönheit des Alters eben.
P.S.: Na, Sie wissen’s schon: In vier Tagen gibt’s eine neue Alte!
