DIE ALTE

ALT SEIN IST KEINE KATASTROPHE

Zwei Klassen Alte?

7.04.2026

(Heute einmal ernst….)

Ich weiß schon, man darf nicht immer alles auf sich beziehen. Aber das Wort „Pflege“ setzt bei einem alten Menschen wie mir eine böse Gedankenspirale in Gang: alt, hilfsbedürftig, abgeschnitten vom Leben, eine Last für die eigenen Kinder, Endstation Heim, dem Ende zudämmernd. Und diese unerwünschte Zukunft kostet die Allgemeinheit auch noch viel zu viel Geld. Die Regierung hat schon Milliarden locker machen müssen, um den eklatanten Mangel an Pflegekräften (vielleicht) zu lindern und (schon davor) die Vermehrung der Plätze in Heimen zu sichern. Zwei Schritte einer „Pflegereform“…

Doch fragt sich: Wenn jeder sich wünscht, dass ihm die ultimative Hilflosigkeit erspart bleibt, wenn Alten-Pflege schon personell kaum zu leisten ist, warum versucht man es dann nicht mit einer „Pflege-Vermeidungs-Reform“?

Fachleute, die sich mit dem fragilen alten Organismus und den abnehmenden Fähigkeiten des Gehirns auskennen, sagen, dass man mit sehr wenig Unterstützung die meisten Menschen dort leben lassen kann, wo sie so lange wie möglich leben wollen – in ihrem eigenen Zuhause – und auch wie sie leben wollen – selbstbestimmt. 

Würde viel von dem Geld, das wir in ungewollte Heim-Betreuung stecken müssen, dazu verwendet, den alternden Menschen zu helfen, verlorene Muskelkraft wieder aufzubauen, den schwächer werdenden Gleichgewichtssinn zu schulen, das Gehirn durch den Neuerwerb beispielsweise einer Sprache oder das späte Erlernen eines Musikinstruments aktiv zu halten – was könnte das alles verändern! Weniger Stürze, mehr Selbständigkeit, weniger Verwirrung, längere Aktivität – kein Dämmern, Leben!

Ja, es gibt Fitness-Center, Tanz-, Sprach- und Musikkurse und vieles mehr. Doch wenn man ihre Preise anschaut, dann weiß man, warum öffentliche Investitionen in ein derartiges Angebot für alte Menschen notwendig wären: Damit wir nicht auch noch eine Zwei-Klassen-Gesellschaft beim Altern bekommen. Die, die sich’s leisten können, sind in der Lage, aktiv und gesünder zu altern, die, die mit ihren Pensionen kaum durchkommen, nicht? Das darf doch nicht sein.

Dazu kommt, dass solche Aktivitäten meist in Gruppen stattfinden: Das wäre für viele, denen ein grausames Schicksal oft alle Bezugspersonen genommen hat, ein Weg aus der sozialen Isolation. Und Vereinsamung ist, das ist bekannt, ein direkter Weg in den geistigen Verfall.

Geld und politisches Hirnschmalz in Pflege-Vermeidung zu stecken, wäre eine echte Reform. Dänemark hat es schon vor Jahrzehnten vorgemacht: Statt in ungeliebte Heime wird in ein reiches Aktivitäts-Angebot investiert, gezielt unterstützt, das Leben in Wohngemeinschaften organisiert, wenn es nicht mehr anders geht. Und daraus wurde eine Erfolgsgeschichte – für die Gesellschaft und für jeden Alten.

Wir schauen doch sonst so gerne auf skandinavische Vorbilder – warum gerade dabei nicht?

Wer ist die Alte?

Die Alte hat ein Journalistenleben hinter sich. Zuletzt schrieb sie einige Jahre lang die Kolumne „Alt, na und?“ im KURIER. Nun ist sie modern geworden und ins Netz gegangen…

Sie haben ihr etwas zu sagen? Bitte sehr…
briefkasten@diealte.at

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