DIE ALTE

ALT SEIN IST KEINE KATASTROPHE

Klischees zum Fürchten

27.02.2026

Ausgerechnet Oscar Wilde, der mit jeder Formulierung ins Herz der Wahrheit traf, verstieg sich zu dem Satz: „Das Alter ist die Rumpelkammer des Lebens.“ 

Gut, er war gerade einmal lächerliche 46, als er sich zu dieser skandalösen Formulierung hinreißen ließ. Woher hätte er da schon wissen sollen, was das Alter ist. Weiß ich es doch selbst kaum, dabei bin ich alt. Nur eines weiß ich sicher – dass das Alter nichts mit all den Klischees zu tun hat, die sich hartnäckig darum ranken. „Alter macht weise“ – kann ich nicht bestätigen, aber vielleicht ist das nur hilfloser Ausdruck des Wunschdenkens, dass ein Weiser sich sein Teil denkt und (wie das Sprichwort es befiehlt) schweigt. Oder (gerade gelesen): „Arthritis produziert Altruismus“. Darf ich mit schmerzenden Fingergelenken mein Geld nicht mehr für mich ausgeben, sondern nur noch Spenden-Schecks fürs Tierschutzhaus unterschreiben? 

Immerhin: Hier wird uns (dem „alten Eisen“) ja noch Positives angedichtet. Anders beim Klischee vom vergnügungssüchtigen Alten, der seine Pensions-Tausender in einer Strandbar auf Mallorca verjuxt. Natürlich: Wir Alten sind viele geworden, immer weniger müssen mit hohen Beiträgen immer mehr Pensionisten erhalten. Und trotzdem braucht es noch zusätzliche Milliarden aus dem Budget, um uns „ein Luxusleben“ zu finanzieren?! Da hilft das Klischee von den raffgierigen, lebenshungrigen Alten – um das Versagen eines nicht reformierten Systems zu verdecken. 

Beim ständigen Reden vom fehlenden Geld für die Versorgung der vielen Alten bereitet man uns weitere Albträume. Da ist das Schreckens-Klischee vom unausweichlichen, unfinanzierbaren Pflegeheim, das kaum einer will und vor dem sich viele fürchten. Beispiele aus anderen Ländern zeigen, dass mit einem Netz viel weniger kostenintensiver Alltagshilfen alte Menschen sehr viel länger ein selbständiges Leben führen können. Organisieren müsste man es halt. 

Noch schlimmer ist das allgegenwärtige, Mitleid wie Schrecken verbreitende Mantra „Alter heißt Demenz“. Die Zahlen sagen etwas anderes. Zwischen 65 und 70 trifft es 2%, zwischen 70 und 75 dann 4%, bis 80 steigt die Zahl auf 7 %, bis 85 auf 14 %. Und bei den 85+ sind es 31 %. Es kann, es muss aber nicht jeden treffen. Also: Schluss mit Klischee-Fürchten. 

Noch besser: Schluss mit Klischees. Warum sollte das Alter denn anders sein als alle anderen Lebensphasen: Es ist bei allen Einschränkungen das, was wir selbst daraus machen. Was wir nicht mit uns machen lassen. Mit so viel Freude, wie wir erleben können, und so viel Leid, wie wir ertragen müssen. 

Und vor allem, lieber Oscar Wilde: Das Alter ist keine Rumpelkammer. Erstens, weil wir uns in keine abschieben lassen. Und zweitens, weil das Leben gar keine hat: Es gibt uns Raum, aus dem wir machen können, was uns möglich ist. Auch und besonders im Alter.

P.S.: Die Alte schreibt wieder – in vier Tagen!

Wer ist die Alte?

Die Alte hat ein Journalistenleben hinter sich. Zuletzt schrieb sie einige Jahre lang die Kolumne „Alt, na und?“ im KURIER. Nun ist sie modern geworden und ins Netz gegangen…

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