DIE ALTE

ALT SEIN IST KEINE KATASTROPHE

Die beste Zeit zu leben? Jetzt!

25.06.2026

Was ist die beste Zeit zu leben? Auch so eine dieser typischen Fragen, mit denen man Schüler bei Deutschschularbeiten martert. Dabei sollten nicht die U(nter)-20 oder die U-40,50 darüber nachdenken, sondern unbedingt wir, die Ü(ber)-60. Und als Ü-70 habe ich da eine Antwort parat: Die schönste Zeit zu leben? Jetzt! 

Ich bin kein Berufsoptimist, der alle Widrigkeiten des Hier und Heute gesundbeten will. Natürlich konsumiere ich auch Nachrichten und sehe an den Schreckensbildern, womit die tapferen Ukrainer ihren Kampf für ihre und unsere Freiheit bezahlen. Aber die Einigkeit des Westens gegen den Wahnsinnigen im Kreml lässt hoffen. Natürlich gehe ich auch einkaufen und öffne Kuverts mit Strom- und Gasrechnungen: Ja, wir haben eine hohe Inflation, erstmals seit den 70er Jahren, aber anders als damals ist ihr Ende absehbar. Ja, die Pandemie hat das Leben verändert, aber die Wissenschaft gibt uns Schutz vor ihren Schrecken. Ja, das Klima verändert sich – aber noch nie gab es die technischen Fähigkeiten, uns vor den bösen Folgen zu schützen, bis der Erwärmungszyklus Mitte der 40er Jahre wieder endet und es kälter wird. Der Planet verbruzzelt (ã Werner Kogler)? Naja, wir haben in den 1950ern auch schon eine Eiszeit durchlebt. 

Die Freiheit, in der wir leben, die Segnungen der Wissenschaft, die uns Gesundheit, Annehmlichkeit und auch unsere Langlebigkeit ermöglichen, die sozialen Errungenschaften, der breite Wohlstand: Es gibt in Österreich keinen Grund am „Jetzt“ zu nörgeln.

Und im ganz persönlichen Leben? Na klar: Bis 20 war man unbeschwert, ohne es zu wissen, geschweige denn zu schätzen. Mit 20 stand einem die ganze Welt offen, mit 30 kam man in dieser Welt an – mit Kindern, Beruf und dem Gefühl, seinen Platz gefunden zu haben. Mit 40 leuchteten neue Ufer, die man in den neuen Freiräumen, die die 50 brachten, erreichen konnte. Jedes Alter war schön. Natürlich gab es allemal auch dunkle Momente, aber wert, gelebt zu werden, war doch jeder Tag. Eigentlich war doch jeder Lebens-Abschnitt (mit) der schönste.

Und warum sollte sich das mit 60+ ändern? Nur weil das Spiegelbild dem Selbstbild nicht mehr entspricht? Weil’s vielleicht zwickt und zwackt? Weil manches schwerer wird? Weil die Endlichkeit nachdrücklich und unübersehbar winkt? Eben deshalb! Jeder Tag ist ein Geschenk, eine Überraschung, ein unerwarteter Segen. Und ist es wert, so gelebt, ja gefeiert zu werden.

Mein ganzes Leben lang hat mich das surrealistischste aller Kinderbücher begleitet: Pooh, der Bär (Achtung! Nicht die Zeichentrick-Version!). Und auch wenn keine Kinder zum Vorlesen in Reichweite sind: Lesen Sie es Ihrem inneren Kind vor. Dort finden Sie dann unter anderem diese wunderbar-weise Stelle:

„Welchen Tag haben wir?“ fragte Pooh. 

„Es ist heute,“ quiekte Ferkel. 

„Mein Lieblingstag!“ sagte Pooh.

P.S:: Und in ein paar Lieblingstagen gibt’s Neues von der Alten!

Wer ist die Alte?

Die Alte hat ein Journalistenleben hinter sich. Zuletzt schrieb sie einige Jahre lang die Kolumne „Alt, na und?“ im KURIER. Nun ist sie modern geworden und ins Netz gegangen…

Sie haben ihr etwas zu sagen? Bitte sehr…
briefkasten@diealte.at

Vorletzte Gedanken (Archiv)

Die schreckliche Null

Warum wiegt für uns die Null so schwer? Zumindest dann, wenn es um die runden Geburtstage im Alter geht? Man kann sich noch so sehr gegen die Tyrannei der Zahlen auflehnen, ihr Gewicht zu ignorieren versuchen, nur als willkommenen Anlass fürs Anstoßen betrachten –...

Schweigen ist Gold

Was hätte ich mit 20 gerne gewusst, was ich jetzt weiß? Oder mit 35? Ja, sogar mit 50? Sagen Sie nicht, das seien müßige Fragen, weil man ohnehin nichts mehr ändern kann – auch falls sich dieses späte Wissen als hilfreich entpuppen könnte. Oder weil man in den jungen...

Altes Eisen?

Der große Psychiater Oliver Sacks hat seine Lebensjahre immer mit den Ordnungszahlen der Elemente im Periodensystem verknüpft. Demnach wäre ein Siebziger verbunden mit Ytterbium (Yb), einem nicht gerade aufregenden Metall, das aber (immerhin!) zu den seltenen Erden...

Die Alten und die Zukunft

Bitte. Werfen Sie mir ruhig Altersdiskriminierung vor. Aber ich meine es völlig ernst und ehrlich: Mit 71 sollte sich niemand berufen fühlen, an die (auch nur erweiterte) Spitze eines Landes zu treten. Die vielen alten weißen Männer mit 73 (Xi Jinping), 74 (Vladimir...

Der trügerische goldene Pinsel

Wenn die Tage kürzer und die Temperaturen unwirtlicher werden, dann beschäftigen wir Alten uns (noch) öfter mit Erinnerungen. Das kann mehr als gefährlich sein. Was sind sie denn eigentlich, diese Boten aus dem eigenen Untergrund? Halten wir uns nur so gerne in...