DIE ALTE

ALT SEIN IST KEINE KATASTROPHE

Dafür bin ich noch nicht alt genug!!!

27.05.2026

So trügerisch er auch ist, der Eindruck, dass nur die Umgebung altert, aber man selbst jung bleibt, lässt sich schwer vertreiben. Man könnte nachgerade zum Philosophen werden, wenn man über dieses alterslose, seltsam faltenfreie und über den Jahres-Tatsachen stehende „Ich“ nachzudenken beginnt. 

Es geht halt beim Altern, vor allem beim innerlichen Altern, nicht um das „ob“ (ist ja unvermeidlich), sondern nur um das „wie“. Im Laufe eines langen Lebens hat man sich dafür vollkommen unmerklich ein Arsenal von unüberprüften „Weisheiten“ zugelegt, die von Generation zu Generation weitergegeben werden und einem den Spaß am Alter verderben. 

Die Denkfallen sind ausgelegt – von jedem selbst. 

Das weit verbreitete Mantra „Dafür bin ich zu alt“ ist so eine Hymne der widerstandslosen Kapitulation.

Aber weil das alte Herz gerade Sommersonnen-Sprünge macht, ist es Zeit für eine wilde Kehrtwende: Weg mit diesen grauen Sprüchen, her mit dem sonnengefluteten Alter!

Wie wär’s zur Abwechslung mit einer positiven Denkschiene? Zum Beispiel: „Ich bin noch nicht alt genug für…“

Ich bin noch nicht alt genug, den wilden Rhythmen, die aus Enkelkindes Zimmer dröhnen, nicht tanzend nachzugeben (freilich: nur wenn kein Enkel zuschaut, man will ja nicht peinlich sein…) Die „würdevolle Alte“ heb ich mir für später auf. Oder verschiebe sie gleich auf den St. Nimmerleinstag.

Ich bin auch noch nicht alt genug, um mit dem Pläneschmieden aufzuhören. Schon klar: die Gegenwart zählt, aber die Zukunft umso mehr, je weniger man davon hat. Und Vorfreude ist nun einmal herrlich seelenwärmend. 

Ich bin auch noch nicht alt genug, um mich den körperlichen Unzulänglichkeiten widerstandslos zu beugen. Es geht so vieles – noch, auch wenn’s Anstrengung kostet. Und vieles geht „with a little help from my friends“, wovon ich als niemals altmodischer Beatles-Fan ein Lied singen kann. Denn: Ich bin noch nicht alt genug, um aufzugeben. 

Ich bin einfach noch nicht alt genug, um keinen Spaß am Leben zu haben. Wem hilft’s denn schon, wenn ich damit hadere, dass vieles nicht mehr ist, wie es war (na und?) – und ehrlich: wen interessiert’s? Ich bin noch nicht alt genug, die Veränderung und das Neue nicht auch lieben zu können.

Alt sein, wirklich alt, kann ich später immer noch. 

P.S.: Na dann, in vier Tagen wieder!

Wer ist die Alte?

Die Alte hat ein Journalistenleben hinter sich. Zuletzt schrieb sie einige Jahre lang die Kolumne „Alt, na und?“ im KURIER. Nun ist sie modern geworden und ins Netz gegangen…

Sie haben ihr etwas zu sagen? Bitte sehr…
briefkasten@diealte.at

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