Müssen wir Alten taten- und hilflos dabei zusehen, wie unser Image systematisch verschlechtert wird? Wie jeder Anlass dazu genützt wird, das Bild vom Alter so zu verzerren, dass es nur mehr Angst und Schrecken verbreitet?
Folgt man der polit-medialen Diskussion, dann sind wir nur teuer (nicht lieb und, sondern zu teuer), fressen den Jüngeren durch unsere Pensionen die Haare vom Kopf (die wir ihnen – um bei dem Bild zu bleiben – mit unserer Arbeit haben sprießen lassen), verdüstern ihre Zukunft durch einen rasant steigenden Pflegebedarf (Hochrechnungen eines Ist-Zustands haben aber mit Zukunft wenig zu tun) und steuern dabei ohnehin alle in das große Vergessen vulgo Demenz.
Jetzt kommt noch etwas dazu: Wir sind gefährlich. Nachgerade gemeingefährlich. Und deshalb muss man uns den Führerschein wegnehmen.
Es ist natürlich tragisch, wenn einen Unfall mit Verletzten verursacht. Aber das nur auf das Alter des Unglückslenkers zu reduzieren und deshalb alten Menschen verbieten zu wollen, hinter einem Lenkrad zu sitzen, ist kühn.
Wenn ein 24jähriger in eine Auslage donnert, erklärt auch niemand, dass man Unter-30jährige aus dem Straßenverkehr entfernen sollte. Dabei sind es die jungen Lenker, die die meisten Unfälle produzieren. Also findet man einen anderen Vorwand: Alte Menschen fahren vorsichtiger (umsichtiger?) und langsamer (mit situationsangepasstem Tempo?) und provozieren so jüngere Lenker zu gewagten Überholmanövern und gefährlichem Drängeln. Ach so? Wir Alte verursachen Unfälle, weil wir uns gesetzeskonform verhalten? Na dann, ade Führerschein – aber doch nicht unserer!
Das also ist das Schreckensbild von den Alten: Teuer, weggetreten und jetzt auch noch gesundheitsgefährdend.
Entfernt das alte Eisen aus dem öffentlichen Raum? Bei anderen Gruppen würde so viel Diskriminierung längst als Hasspropaganda geahndet.
Dabei sind wir viele (20 Prozent) und werden immer mehr. Und wir haben das Glück, dass wir dem unschönen Klischee nur in tragischen Fällen entsprechen.
Es gab auch vor uns, als man in viel jüngeren Jahren „alt“ war, produktives Alter: Michelangelo war 66, als er das „Jüngste Gericht“ malte, Goethe vollendete den „Faust II“ mit 83, Picasso schuf noch mit 92 hochgelobte Werke.
Natürlich – Genies sind Ausnahmen. Aber sie zeigen die Regel: dass man auch im Alter noch voll im Leben steht (auch wenn das erst in unserer medizinisch fortschrittlichen Zeit weithin gilt).
Und da nehmen wir, die Generation der Neuen Alten, gesünder, wacher, kräftiger und stärker als je zuvor, dieses dumme und unrichtige Alters-Bild hin? Und lassen uns von den gezielten Hinfälligkeits-Phantasien auch noch selbst Angst machen?
Ich bin keine Kämpferin. Aber es ist Zeit, etwas gegen die Alters-Diskriminierung zu tun.
Nach dem Motto: Hilf Dir selbst, sonst hilft Dir keiner.
P.S.: Bis bald!
