Sie sind wieder da, die „Supermodels“ der 1990er, die auch schon das halbe Jahrhundert auf dem Buckel haben, und es scheint ihnen kein Fältchen zugewachsen (freilich auch dank moderner Bildbearbeitung). Und dann stürmen ehemalige Hollywood-Schöne vor die Fotografen und präsentieren stolz ihre grauen Mähnen. Manche tragen nicht einmal mehr Makeup, um ihre Falten zuzukleistern – angeblich.
Man trägt Alter.
Wirklich?
Außer der Haarfarbe weist nichts auf ein freudiges Ja zum Abschied von der Jugend hin. Liegt da nicht eher das alte Missverständnis vor: Lang leben will jeder, nur alt werden will keiner (ãJohann Nestroy). Es geht unter dem Banner der schön (= unsichtbar) Alternden eigentlich nur ums lange Leben. Dass das das Altwerden voraussetzt, darüber möchte man sich gerne hinwegtäuschen.
Oder man will dieses eherne Gesetz außer Kraft setzen. Wie der Multimillionär Bryan Johnson, der die 800 Millionen Dollar, die er beim Verkauf seines Internet-Bezahldiensts PayPal lukriert hat, einsetzt, mit 45 Gesicht und Körper zurückzubekommen, die er mit 18 hatte – und zu behalten, wenn möglich bis in alle Ewigkeit. Und für diese Obsession, die Prozesse der Natur umzukehren und außer Kraft zu setzen, opfert er alles, was man Leben nennt. Täglich schluckt er hunderte Pillen, lässt sich Micro-Dosen von Botox spritzen, turnt stundenlang, isst nur Gemüsebrühen (alles für 2 Millionen Dollar im Jahr), ansonsten schläft er. Er lässt sich Blut von seinem 17jährigen Sohn geben, überlässt seines dem 77jährigen Vater. Und glaubt, so dem Tod zu entgehen.
Armer reicher Irrer.
Sogar wenn er Erfolg hätte, würde es sich nicht auszahlen, sein Leben so zu verschwenden. Und vor allem auch nicht sein Alter.
Natürlich: Wer ist schon gerne alt. Aber da man nun einmal ein langes Leben das Altwerden voraussetzt, wäre es gescheit (um nicht zu sagen: lebens-klug), Ja zum Alter zu sagen. Sich nur ins Unvermeidliche zu fügen, scheint mir ein bisschen wenig. Denn da legt man allzu leicht das Augenmerk auf die Nebensächlichkeit (das Verwelken) statt auf die Hauptsache – das Noch-da-sein-dürfen.
Vor kurzem hat ein National-Geographic-Journalist die Weltzonen („di8e blauen Zonen“) besucht, wo Über-100-Jährige besonders häufig zu finden sind. Er wollte das Geheimnis dieser massierten Langlebigkeit erforschen. Diät? Lebensstil? Klima? Geschenkt, es sind die fehlenden Geburtsurkunden. Eine alte Japanerin hatte dazu aber noch ihr persönliches Erfolgsrezept anzubieten: Lachen.
Und das ist nicht so selbstverständlich, wie es scheint. Denn oft paart sich Alter sogar dort, wo objektiv kein Grund zum Klagen besteht, mit Jammern, mit Schwarzsehen, mit Bedauern, mit Sehnsucht nach dem „Früher“. Verschwenden wir nicht unser Alter an Trübsal. So lange es geht: Leben und Lachen. Und dann: Sayonara.
P.S.: Die Alte kommt wieder – in vier Tagen!
