DIE ALTE

ALT SEIN IST KEINE KATASTROPHE

Kein Platz für Alters-Ohnmacht!

12.01.2026

Sogar einem wild entschlossenen Optimisten wie mir fällt es dieser Tage schwer, dem traurigen Nebel-Grau und den vielen dunklen Stunden die Stirn zu bieten. Und dann noch die Welt-Politik. Nicht nur, dass der russische Diktator nicht aufhört, die Ukraine und ihre Menschen auslöschen zu wollen. Der Nahe Osten kommt nicht zur Ruhe, der Iran brennt. Ja und der amerikanische Präsident – für den gibt’s keine Worte: Was wird er noch alles anrichten? Die Ohnmacht des Einzelnen In dieser Gegenwart lässt die Ohnmacht des Alters, die wir nur allzu gut kennen, noch schwerer auf uns lasten. 

Ist da die Depression unausweichlich? 

Falsch gefragt. Also nochmal: Darf Depression sein – gerade jetzt, gerade bei uns Alten? 

Ich meine damit natürlich nicht die Krankheit, sondern den Zustand des widerstandslosen Rückzugs ins innere Dunkel, gegen den man ankämpfen könnte, auch wenn es ein enormer Kraftaufwand ist. Großeltern fällt das vielleicht leichter – denn all die schrecklichen Nachrichten erreichen auch die Kinder. Und aus Verantwortung für sie versucht man, den richtigen Weg zu finden, die Realität unverfälscht so zu erklären, dass sie keinen (Seelen-)Schaden anrichtet. Und versucht vorzuleben: Wo man kann, hilft man – und wenn die Hilfe noch so gering scheint. Nur in unstillbare Traurigkeit zu versinken, hilft niemandem. Also: Aktiv bleiben. Helfen – den anderen und sich selbst.

Und plötzlich hat der gelernte Optimist in mir auch über die Ohnmacht des Alters wieder die Oberhand gewonnen. Und ich sehe wieder, was das Leben schön macht. Das fängt beim Aufwachen an: Ha, ein neuer Tag voll der Entscheidungen liegt vor mir! Welch Geschenk, danke! Das lästige – aber unerlässliche – Turnen absolviere ich wieder mit dem Voraus-Freuen, welche Fähigkeiten ich durchs Dranbleiben zurückgewinne – all jene einstmaligen Selbstverständlichkeiten wie ein Blatt Papier aufheben oder auch ohne Hilfe vom Boden wieder in die Vertikale kommen zu können. Ich freue mich auf die kühle Luft bei meinen täglichen 4000 Schritten (nach neuesten Studien müssen es ja nicht mehr sein…) und noch mehr auf die Belohnung, die ich mir danach gönne. Und dann memoriere ich die zehn täglichen Vokabel einer neuen Fremdsprache, deren Erwerb mein Hirn trainieren soll – schließlich bin ich dafür verantwortlich, dass sich die 86 Milliarden Neuronen in ihren geschätzten 100 Billionen Verbindungen fit und wohl fühlen (und sogar jetzt noch mehr werden!!!) – und damit auch ich.

Ja, und dann noch all die täglichen Übungen in Gelassenheit: Dem umweltbewussten Pedalritter, der mich beinahe umfährt, schenke ich ein selig-dankbares „Ich bin noch einmal davongekommen“-Lächeln, dem Kaffeehaus-Kellner das fröhlich-auftrumpfende „Oja, ich lebe noch“-Grinsen, wenn er sich doch bequemt, auch mich, die komische Alte, nach meinen Wünschen zu fragen. 

Es gibt viel zu tun – da ist kein Platz für eine Ohnmacht des Alters. Auch jetzt nicht.

P.S.: Und wieder: In vier Tagen gibt’s Neues von der Alten!

Wer ist die Alte?

Die Alte hat ein Journalistenleben hinter sich. Zuletzt schrieb sie einige Jahre lang die Kolumne „Alt, na und?“ im KURIER. Nun ist sie modern geworden und ins Netz gegangen…

Sie haben ihr etwas zu sagen? Bitte sehr…
briefkasten@diealte.at

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