DIE ALTE

ALT SEIN IST KEINE KATASTROPHE

Wenn die Liebe platonisch wird

28.01.2026

Darf sich eine Alte klammheimlich darüber freuen, dass jemand noch mehr Geburtstagskerzen ausblasen muss als sie selbst? Oder ist das nur der untaugliche Versuch, noch einmal das Wort „jung“ auf sich selbst anzuwenden? (Freilich: Der dafür benötigte Komparativ ist etwas sehr Relatives – zwischen „jünger als das neue Jahrtausend“ und „jünger als ein Steinzeitfossil“ liegen Äonen.)

Nun denn: Feiern wir den Alten. Und zwar lautstark (schon deshalb, weil ich jünger bin, ätsch!). Er wird heuer 80! Der Bikini!

Sollten Sie, geneigter Leser, befürchten, dass dieses kleine gedruckte Geburtstags-Ständchen nur für das schönere Geschlecht bestimmt ist, möchte ich Sie daran erinnern, wie viel Freude der Jubilar gerade Ihnen über all die Jahre gemacht hat – und immer noch macht… 

Wahrscheinlich erinnert sich jede von uns an ihren Ersten. Welches Glück, ihn – ein Riesen-Unding als Zeitzeuge eines prüden Zeitalters – sein Eigen nennen und auch noch in aller Öffentlichkeit tragen zu dürfen! Mein erster war in winzigem rosa Vichy-Karo, himbeerrot eingefasst. Nie mehr habe ich einen so außergewöhnlich schönen besessen – wohl, weil die Bikinis zur sommerlichen Normalität schrumpften. (Was sich so alles ins Gedächtnis eingebrannt hat, während mir in Windeseile entschwindet, wo ich vor wenigen Minuten meine Lesebrille abgelegt habe. Jaja, das Langzeitgedächtnis!)

Wenn man der elfjährigen Nachbars-Enkelin davon erzählt, wie gewagt dieser Zweiteiler seinerzeit zu meiner Zeit war, dann erhält man einen Blick, als sei man die letzte Vertreterin des Neandertals. Doch bevor ich aushole, die Vorlesung über das modische Weltbeben, symbolisch benannt nach dem Atoll, das die Atomversuche über sich ergehen lassen musste, zu einem spannungsgeladenen Höhepunkt zu bringen, fällt mir meine Großmutter ein. Und meine Kinder-Gedanken, wenn sie mir davon erzählte, welche Sensation es gewesen ist, als sie den Kaiser gesehen hat. Omi, hast Du auch noch die Ritter gekannt? 

Darum hatte ich mir immer vorgenommen, meinem Enkel nicht zu viel von „früher“ zu erzählen – zu schnell wechselt man dadurch von „alt“ nach „uralt“. Und deshalb fasste ich auch den Entschluss, über die technischen Alltags-Entwicklungen zumindest ansatzweise am Laufenden zu bleiben. Man möchte ja in den geliebten Enkelaugen kein Steinzeitmensch sein. 

Den Entschluss, eine lebenslange Liebe platonisch werden zu lassen, habe ich schon viel früher gefasst. Auch wenn es uns Zeitgeist-Magazine einreden wollen: Der Bikini ist auch auf dem Körper einer 76jährigen ehemaligen Schönheitskönigin nicht schön. Er ist etwas für junge, schöne Körper und nicht die geeignete Waffe für Aktivistinnen gegen Altersdiskriminierung. Das macht aber nichts. Jedes Ding hat seine Zeit. Und seien wir ehrlich. Wir werden nicht schöner im Alter. Aber besser. Und weiser. (Oh, die Lesebrille! Sie sitzt auf der Nase…)

P.S.: Die Alte kommt wieder – in vier Tagen!

Wer ist die Alte?

Die Alte hat ein Journalistenleben hinter sich. Zuletzt schrieb sie einige Jahre lang die Kolumne „Alt, na und?“ im KURIER. Nun ist sie modern geworden und ins Netz gegangen…

Sie haben ihr etwas zu sagen? Bitte sehr…
briefkasten@diealte.at

Vorletzte Gedanken (Archiv)

Schafft das D-Wort ab!

Wenn es darum geht, dass die Welt durch „richtige“ Sprache verbessert werden soll, gehen die Emotionen hoch. Alt, wie ich bin, sehe ich das gelassen. Ich denk‘ mir mein Teil und bin nur traurig, wieviel Sprach-Schönheit verloren geht. Beim Aufheulen gegen einzelne...

Alt ist alt ist alt… Wirklich?

Warum sagt man uns Alten immer öfter und immer offener: Du gehörst nicht mehr dazu? Freundlicher ausgedrückt: Wieso verstehen weder Staat noch Wirtschaft, dass das Ignorieren der Vielfalt eines Fünftels der Bevölkerung respektlos, undemokratisch und unlogisch ist?...

Dafür bin ich noch nicht alt genug!!!

So trügerisch er auch ist, der Eindruck, dass nur die Umgebung altert, aber man selbst jung bleibt, lässt sich schwer vertreiben. Man könnte nachgerade zum Philosophen werden, wenn man über dieses alterslose, seltsam faltenfreie und über den Jahres-Tatsachen stehende...

Das U des Glücks

Seit einiger Zeit grüble ich über den Brief eines freundlichen Lesers. Er empfindet Unbehagen über meine Fröhlichkeit, die müsse künstlich sein – denn Altwerden sei zumindest unangenehm. Letzteres weiß ich auch. Und trotzdem muss ich mich nicht künstlich anstrengen,...

Wunder und unsere alten Kinder-Augen

Dürfen Alte noch an Wunder glauben? Sollte sie das Leben nicht über all die Jahre eines Besseren belehrt haben? Im Gegenteil. Laut Albert Einstein gibt es ja nur zwei Weisen, die Welt zu betrachten: Entweder man glaubt, dass nichts auf der Welt ein Wunder sei,...