DIE ALTE

ALT SEIN IST KEINE KATASTROPHE

Die schönste Alters-Arbeit

14.08.2026

Es gibt Menschen, die überall Gefahren sehen, die auf sie lauern. Andere wiederum fühlen sich von einer Übermacht an Schokolade- (neuerdings: Xoxolat-)Läden umzingelt, die ihnen noch ein paar zusätzliche Kilos aufhalsen wollen. Ich wiederum fühle mich von einer Überzahl an Studien, Berichten und Erkenntnissen überwältigt, die mir erklären, wie man alt zu werden hat. 

Man trägt 150. 

Und was dafür zu tun wäre, damit man recht bald zur illustren Schar der Supergreise gehört – dafür hat jede dieser bitter- bis bierernsten Abhandlungen ihren eigenen Stein der Weisen. Aber: Wenn man es denn so genau weiß, wie das geht, strahlend, strotzend und überschäumend stolze 120 zu werden, wieso sind die dreistelligen Geburtstage dann immer noch eine bestaunte Rarität?

Meinen aufkeimenden Verdacht, dass da etwas nicht stimmen könnte, hat die vielbejubelte Entdeckung der „Blauen Zonen“ erhärtet – wonach es einige wenige Landstriche auf der Erde gäbe, wo es besonders viele tanzende und springende Uralte gibt. Leider hat sich herausgestellt, dass der Urgrund dieser blauen Wunder-Zonen die Tatsache ist, dass dort die Geburtsregister fehlen. 

Also wieder nichts. Aber ich könnte natürlich trotzdem meinen Geburtsschein verbrennen und mir einen neuen Pass mit Wunschdatum holen – früher machte man sich gerne jünger, heute möchte man lieber ein überraschend alter Oldie sein. Also her mit den 97.

Eigentlich paradox. Man möchte nicht verschleiern, sondern beweisen, dass man ein toller Alter ist – im Vollbesitz seiner geistigen, körperlichen und sonstigen Kräfte. Ein SuperAger, wie das neudeutsch heißt, also ein 80+, dem man locker 20, 30 Jahre weniger gäbe. 

Und das ist großartig: Warum ständig darüber reden, was schief geht mit dem Verlust der Jugend und dem Anhäufen der Jahre. Warum ständig jammern, was nicht mehr geht, statt stolz und freudig das zu betonen, was noch wunderbar geht. Besser über die Falten hinwegschauen und sehen, wie bunt und schön das Leben bleibt – die Jugend ist nicht verloren, sondern nur vergangen. Unverlierbar und immer noch seelenwärmend.

Das ist der Moment, wo ich gestehen muss, dass es doch zwei Studien gibt, die ich zu meinen Leitsternen erklärt habe. Die eine besagt, dass eine positive Einstellung zum Alter lebensverlängernd wirkt. Also her mit den kleinen Lachfältchen!

Und die andere hat untersucht, welches Rezept SuperAger angewendet haben: Fitness-Studio-Mühen? Fasten im Intervall? Alkohol-Abstinenz? Nikotin-Scheu? Mediterrane Diät? Sonstiges Kasteien? Und siehe da: Nichts von alldem. Der Lebensstil – meist lustfeindlich als Nonplusultra verordnet – war ganz egal.

Wichtig war nur: unter Menschen bleiben. Raus aus dem Schneckenhaus, das das Alter oft wird, und Kontakte suchen, knüpfen, wieder aufleben lassen. Alter ist Arbeit – Beziehungsarbeit. Und das ist doch schön.

P.S:: Nächsten Freitag ist wieder Alte-Tag!

Wer ist die Alte?

Die Alte hat ein Journalistenleben hinter sich. Zuletzt schrieb sie einige Jahre lang die Kolumne „Alt, na und?“ im KURIER. Nun ist sie modern geworden und ins Netz gegangen…

Sie haben ihr etwas zu sagen? Bitte sehr…
briefkasten@diealte.at

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