DIE ALTE

ALT SEIN IST KEINE KATASTROPHE

18 Trainingseinheiten? Bitte mehr!

24.04.2026

Wann nur ist dieser nervtötende Unsinn eingerissen, dass Sport aller Probleme Lösung ist (wo er doch am Anfang derselben steht)? Und dass es ein „Muss“ ist, mindestens dreimal wöchentlich übel nach Schweiß zu riechen (ist es doch eine Verschwörung der Deodorant-Industrie)? 

Was habe ich mich jahrelang mühsam gegen diese Sport-Apostel gewehrt. Noch dazu, wo die Diktatur des Körpers genau damals ausgebrochen ist, als ich in jugendlichem Leichtsinn an die Macht des Geistes zu glauben begonnen habe. So schnell, wie sich die Aktivitäts-Prediger von der irregeleiteten Sekte zum sakrosankten Mainstream auswuchsen, wuchs auch mein ganz persönliches Protestpotential. Sogar gesportelt wurde nur mehr heimlich. Hätte ich denn zugeben sollen, dass es tatsächlich wunderschön ist, über sonnenglitzernde Neuschneehänge talwärts zu schwingen? Oder hätte ich gestehen sollen, dass die Überquerung eines helltürkisen, warmen Kärntner Sees der wahre Sommer-Genuss ist? 

Außerdem hätten das die Muskel-Puristen ohnehin nicht als Sport gelten lassen: Abrackern mit tonnenschweren Eisenmonstern im übelriechenden Fitness-Studio, selbstzerstörerische Marathon-Exzesse – darunter hätte es nichts, aber auch gar nichts getan.

Im Alter wird man milde.

Sogar ich habe Frieden geschlossen mit dem Sport. Auch, weil ich meinen idealen Sport gefunden habe.

Er trainiert hundert Muskeln, erhöht die Sauerstoffversorgung aller meiner Organe, aktiviert Herz und Lunge (vom Gehirn gar nicht zu reden), stärkt das Immunsystem und vermehrt die Abwehrstoffe im Blut.

Bei jedem Training senkt sich der Anteil der Stresshormone Adrenalin und Cortisol im Körper um 40 bis 70 Prozent. Gleichzeitig werden vermehrt Endorphine ausgeschüttet – und das braucht der den besten Jahren entwachsene Körper, denn es sind körpereigene Schmerzmittel, die sogar in ein Hochgefühl versetzen können. Beim Training fließt nicht der Schweiß aus der Achsel, sondern ein ganzer Hormoncocktail durch den Körper. Allen voran das Glückshormon Serotonin, das gelassen, ausgeglichen und zufrieden macht. Und Dopamin schwimmt mit, das Freude, Antrieb und Motivation beschert (und aus dem sich der Körper dann sein eigenes Morphium-Döschen braut).

Und das Beste: Für diesen Sport brauche ich keinerlei kostspielige Ausrüstung. Ich kann ihn überall und in jeder Lebenslage ausüben. Sportler dieser Sparte sind deshalb auch durchschnittlich 18mal täglich aktiv. 

Sogar jetzt im Alter, wo die Diktatur des Körpers wirklich angebrochen ist, der die Macht des Geistes nichts mehr entgegenzusetzen hat, hindert mich nichts daran, „meinen“ Sport weiter, ja sogar intensiver auszuüben. Damit lässt sich auch vieles leichter ertragen.

(Sollte ich vergessen haben, den Namen dieser zum Glück noch nicht zu Olympia-Weihen aufgestiegenen Disziplin zu nennen – es handelt sich um Lachen.)

P.S.: Lachen Sie viel in den nächsten vier Tagen – dann komm‘ ich wieder, ohne Frage!

Wer ist die Alte?

Die Alte hat ein Journalistenleben hinter sich. Zuletzt schrieb sie einige Jahre lang die Kolumne „Alt, na und?“ im KURIER. Nun ist sie modern geworden und ins Netz gegangen…

Sie haben ihr etwas zu sagen? Bitte sehr…
briefkasten@diealte.at

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