DIE ALTE

ALT SEIN IST KEINE KATASTROPHE

Enthusiastisch altern – geht das ?!

8.01.2026

Kann man enthusiastisch altern? Überschäumend lustig? Ausgelassen? Oder ist das doch nur eine Erfindung der Sachbuchverlage, die die alternde Gesellschaft als gewinnträchtige Zielgruppe entdeckt haben. Erstens weil die potenziellen Käufer immer mehr werden, zweitens weil sie (noch) Bücher kaufen – und vielleicht in dem Fall sogar lesen, weil das Thema, drittens, Wegweiser verspricht, wie man aus der Verunsicherung durch die späte Lebensphase herauskommen könnte. 

So paradox „enthusiastisch Altern“ auch klingen mag, so probierenswert ist es. Auch wenn einiges dagegen zu sprechen scheint. Gestern trainierte man noch für den nächsten Marathon (naja, vielleicht ist man ja auch nur gemütlich ein halbes Stündchen gejoggt…), heute schnauft man schon nach dem mühsamen Erklimmen eines einzigen Stockwerks wie eine alte Dampflokomotive. Und damit soll man „enthusiastisch“ umgehen? Da soll man den eigenen Standort im Leben überschäumend lustig annehmen?

Ja. 

Aus zwei Gründen. Erstens weil Jammern, Aufbegehren, Sich-Beschweren auch nichts ändert. Das dafür zuständige Salzamt ist noch nicht erfunden. Und zweitens weil wir endlich die Tauglichkeit all jener kleinen Weisheiten an uns selbst ausprobieren können, die wir unseren Kindern bei ihren putzigen Problemchen mitgegeben haben, die ihnen selbst aber so unerträglich schwer vorkamen wie uns jetzt das Alter. (Wer diese pseudoweisen Gedankenschätze nicht in der Kindererziehung ausprobiert hat, der kennt sie sicher noch aus den eigenen Schulaufsätzen.) „Wenn eine Tür zugeht, geht eine andere auf“ oder „Irgendwo geht immer die Sonne auf“ – und ähnliche Trivialitäten können beim Einüben in den Enthusiasmus helfen. Ja, das Knie schmerzt, aber ich kann sehr wohl noch meine Einkäufe selbst erledigen, kann ins nächste Kino, Theater, Konzerthaus gehen, kann meine Freunde besuchen. Super!

Für die Reise in die Ferne reicht es nicht mehr, aber es gibt ja so viel Wunderbares in der eigenen Umgebung zu entdecken: Gebäude, an denen wir Jahrzehnte lang achtlos vorübergegangen sind, und die – einmal genau betrachtet – auf eine weite Reise in die Geschichte mitnehmen. Großartig!

Die Türen sind da, man muss sie nur öffnen, genauso wie sich der kleine Lichtschimmer, der die tiefe Dunkelheit erhellt, beinahe immer finden lässt. 

Und während früher das „aber“ oft eine negative Einschränkung eingeleitet hat („Ich gehe ja gern Skifahren, aber mir gehen die vielen Snowboarder so auf die Nerven“), wird es jetzt zum Schlüssel zum Alters-Enthusiasmus. Ja, vieles ist schwer, mühsam, unangenehm, vieles ist unwiederbringlich vorüber, verloren, schmerzhaft vermisst, vieles geht nicht mehr. Aber. Da ist es, dieses positive Aber. Aber: Die Sonne scheint, die Blumen duften, die Freunde lachen mit mir, die Kinder wärmen das Herz.Hurra, ich lebe. Enthusiastisch alt.

P.S. Nicht vergessen, liebes Kurzzeitgedächtnis: In vier Tagen gibt’s Neues von der Alten!

Wer ist die Alte?

Die Alte hat ein Journalistenleben hinter sich. Zuletzt schrieb sie einige Jahre lang die Kolumne „Alt, na und?“ im KURIER. Nun ist sie modern geworden und ins Netz gegangen…

Sie haben ihr etwas zu sagen? Bitte sehr…
briefkasten@diealte.at

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