DIE ALTE

ALT SEIN IST KEINE KATASTROPHE

Alter schützt nicht vor Glück

28.08.2026

Kann ein alter Mensch wirklich nur „trotzdem“ glücklich sein? Was für ein herablassendes Urteil über die 65+: So viele Jahre gelebt? Dann hast Du Dich traurig in ein Winkerl zu setzen, dem Lachen, Leben, Lieben abzuschwören und nur neidvoll-verbittert auf das wilde Wogen jugendlicher Freuden zu starren. Im Wartesaal zum Nimmermehr.

Aber, um einen anderen alten Herrn zu zitieren: So sind wir nicht.

„Uralt und trotzdem glücklich. Das klingt überraschend, aber geht vielleicht sehr wohl“: So werden Hundertjährigen-Studien kommentiert, die feststellen, dass 80 Prozent glücklich und nur selten depressiv sind. Ja: So sind wir.

Nämlich genau so, wie der jüngere Rest der Bevölkerung auch. Warum sollte das auch nicht so sein? Es kann ja niemand glauben, dass sich die Fähigkeit zur Freude, zum Lachen, zum Glück abnützt. Im Gegenteil: In vielerlei Hinsicht hat uns die Erfahrung gelehrt, dass viel vom Lebensglück von dem Gewicht abhängt, das wir selbst den Dingen geben.

Das liegt vielleicht daran, dass wir zu unterscheiden gelernt haben. Es gibt Katastrophen, die uns das Leben zumutet und die das Weiterleben unmöglich erscheinen lassen. „Trotzdem ja zum Leben sagen“ – so nannte der große Viktor Frankl das bewundernswerte Festhalten am Sinn des Lebens in ausweglosen Abgründen (und er wusste, wovon er sprach, denn das war das Fazit seiner KZ-Erfahrung). Dazu zwingen Schicksals-Tragödien, aber sicher nicht jeder Gegenwind, der allen irgendwann einmal ins Gesicht bläst. Und zu diesen kühlen Brisen (auch bekannt unter Kalte Duschen) des Lebens zählt sicher eines nicht: das Alter.

Einiges erlebt zu haben, macht halt gelassener. Wir unterliegen nicht den Geboten der ach so modernen Selbstoptimierung. Wir lassen uns nicht mehr einreden, dass es Glück garantiert, den Tag mit einem grünen Smoothie zu beginnen und mit einer Stunde Abrackern im Fitness-Studio zu beenden, dazwischen sich selbst möglichst erfolgreich zu verkaufen und den eigenen Wert mit einem Elektro-Sechszylinder nachzuweisen. Wer mit diesem Erfolgsrezept der „Lebens-Ratgeber“-Industrie nicht auf der Stelle gesund, reich und glücklich ist, hat versagt. Und wechselt den Ratgeber, statt einfach zu leben. Und zu sehen: Nicht die Erfolgs-Autoren, die Jahre selbst zeigen, wie es geht. 

Uns Alte werfen die retuschierten Internet-Schönheiten nicht in tiefe Depressionen, wir wissen, dass Fröhlichkeit, Charme und Wärme sogar Falten aufwiegen können. Das Lebens-Glück misst sich nicht am Tesla oder der Schönheits-OP, sondern an der Wärme, die uns andere Menschen schenken, an der Freude, die uns Musik, eine Wanderung oder ein Schmetterling erleben lassen, an dem Glück, ganz da zu sein. 

So verbindet sich „alt“ mit „glücklich“ – nicht durch „trotzdem“, sondern einfach durch „und“. Da gilt für „alt“ wie „jung“.

Wer ist die Alte?

Die Alte hat ein Journalistenleben hinter sich. Zuletzt schrieb sie einige Jahre lang die Kolumne „Alt, na und?“ im KURIER. Nun ist sie modern geworden und ins Netz gegangen…

Sie haben ihr etwas zu sagen? Bitte sehr…
briefkasten@diealte.at

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