DIE ALTE

ALT SEIN IST KEINE KATASTROPHE

Me too!!!!

21.08.2026

Manchmal, ganz selten kommt es auch über die Alte. Die Frage nämlich: Was hab‘ ich versäumt! 

Reich hätt‘ ich werden können….

Zumindest dann, wenn ich funktioniert hätte wie Frauenrechtlerinnen heutzutage. Was für ein wunderbares Modell wollen sie vom Staat verwirklicht sehen: Grundgehalt, Überstundenzuschlag und Urlaubsanspruch für die – ja, das ist es dann wohl wirklich – Aufzucht von Kindern.

Wie gesagt: Was hab‘ ich versäumt! Die beste aller Töchter hat erst mit fünfeinhalb Jahren durchgeschlafen: Täglich eine Überstunde mit Nachtzuschlag. 365 mal 5,5. Und all die schmutzigen Windeln, notwendigen Waschungen nach Sandkiste, Gatsch und Regenspaziergängen – Schmutzzulage! Versäumte Urlaubstage?! Jede Menge, denn das Kind hat mich das ganze Jahr über beschäftigt! Und dieses Grundgehalt – wie setz ich es wohl an? Gibt es Biennien? Vorrückungen wegen Pubertät samt Erschwerniszulage? 

Also ich bin überzeugt, Vater Staat schuldet mir mindestens eine knappe Million. 

Zahlt er nicht? Verjährt? 

Aber wirklich! Dann bitte soll er wenigstens das Geld für die unbezahlte Großelternarbeit herausrücken. Schließlich sind’s ja wir, die immer wieder die bezahlte Arbeit der Eltern erst ermöglichen, weil wir unsere Enkel beaufsichtigen. Also, wie eine mittlerweile zur Landeshauptfrau aufgestiegene Arbeitnehmervertreterin einmal gemeint hat: Her mit dem Zaster, her mit der Marie! Kinder beaufsichtigen, großziehen und lieb haben: Das ist schließlich – wie die Frau Arbeiterkammerchefin Anderl sagt – eine Hundsarbeit.

Also: Me too!

Oder vielleicht doch nicht? Was sind wir für eine Gesellschaft geworden, wo Eltern-Sein als Erwerbsarbeit gelten soll? Ich habe es immer schon schrecklich gefunden, dass Frauen, die wegen ihrer Mutterpflichten nicht oder nur Teilzeitarbeit arbeiten wollen, als „verschwendetes Humankapital“ bezeichnet werden. Ein Wort, das entlarvt.

Für solch eine Welt bin ich gerne zu alt.

P.S: Da fällt mir ein: Es gab einmal einen bürgerlichen Politiker, der vorgeschlagen hat, eine Art Müttergehalt einzuführen. Da haben dieselben Kämpferinnen für Frauenrechte über die besonders rückschrittliche „Herdprämie“ gewettert, die Frauen an einer Berufskarriere hindern sollte… Tja, wer alt ist, kann sich an viel erinnern!

P. P.S.: Und wenn der Bundeskanzler vorgerückten Alters sich für seinen Satz „Kinder sind keine Rechenaufgabe“ entschuldigt, dann war das der Fehler und nicht der schlecht formulierte Gedanke, dass es Erwerbsarbeit und nicht entlohnte Arbeit (vergessen wir den modischen Begriff „Carearbeit“) gibt. Dazu gehört, seine Familie zu versorgen, seine Kinder groß zu ziehen, für seine alt gewordenen Eltern da zu sein, seinen Haushalt zu führen – einfach: sein Leben zu führen. Oder will man jetzt schon dafür bezahlt werden, dass man atmet?

P.P.P.S.: Freitag ist wieder Alte-Tag!

Wer ist die Alte?

Die Alte hat ein Journalistenleben hinter sich. Zuletzt schrieb sie einige Jahre lang die Kolumne „Alt, na und?“ im KURIER. Nun ist sie modern geworden und ins Netz gegangen…

Sie haben ihr etwas zu sagen? Bitte sehr…
briefkasten@diealte.at

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