DIE ALTE

ALT SEIN IST KEINE KATASTROPHE

Schafft das D-Wort ab!

7.06.2026

Wenn es darum geht, dass die Welt durch „richtige“ Sprache verbessert werden soll, gehen die Emotionen hoch. Alt, wie ich bin, sehe ich das gelassen. Ich denk‘ mir mein Teil und bin nur traurig, wieviel Sprach-Schönheit verloren geht. Beim Aufheulen gegen einzelne Wörter kann ich schon eher mit, auch wenn es mir die Haare aufstellt, wenn man nach dem modisch-bierernsten Reinheitsgebot Shakespeare & Co verbessert.

Heute aber bin ich kämpferisch und werfe meinen Fehde-Handschuh in die Arena: Schafft das D-Wort ab!

Hört auf, unablässig mit Fall-Zahlen, Kostenschätzungen und gesellschaftlichen Katastrophen der Demenz zu orakeln.

Das Wort Demenz allein schon ist diskriminierend – heißt es doch „ohne Geist“. Es ist ungenau, weil es das Endstadium eines Krankheitsverlaufs als Etikett benützt – wir sagen doch auch „Leben“, obwohl das Endstadium unvermeidlich der Tod ist. 

Und wenn das alles noch nicht Grund genug ist: Das D-Wort macht Angst. Und so ist die wirkliche Epidemie die Angst vor Demenz – und nicht die kognitive Einschränkung an sich (ja, so umschiffen Altersmediziner das böse D-Wort). Diese leider immer noch raren Altersmediziner warnen sogar davor, dass man durch die Bilder, die das Wort transportiert, bei alten Menschen einen verfrühten „sozialen Tod“ beobachten kann. Man glaubt, weil man sich einmal an einen Namen nicht erinnert oder die Schlüssel verlegt hat (hat man das nie getan, als man noch jünger war?!), die Symptome der Demenz festzustellen und zieht sich zurück, möchte niemandem zur Last fallen und glaubt nurmehr eine todtraurige Zukunft zu haben.

Also schafft das D-Wort ab.

Und redet über die Fakten: Bei 2 Prozent (!) der Über-60-Jährigen und 20 Prozent (!!!) der Über-80-Jährigen wird eine kognitive Einschränkung diagnostiziert. Das ist zum Glück kein Massen-Schicksal. Und – Hoffnung keimt auf! – bei einem Teil kann man behandeln, ja sogar heilen, da diese Einschränkungen durch Vitamin B12-Mangel, Schilddrüsenprobleme und sogar falsche Medikation verursacht sind.

Die tatsächliche Erkrankung durchläuft sieben Stadien – in den ersten fünf kann der Betroffene mit punktueller Alltags-Unterstützung und guter geriatrischer Betreuung sein eigenständiges Leben weiterführen. Auch das ist eine gute Nachricht, von der wir zu selten hören: Das Alter mit seinen Erkrankungen ist kein unaufhaltsamer Absturz in die totale Abhängigkeit. 

Also: Schafft das D-Wort ab, die Stigmatisierung alter Menschen als „demnächst ohne Verstand und nur mehr eine Milliardenbelastung für die Jüngeren“. Alle würden leichter leben: Die Gesellschaft, die uns sonst nur als Kostenverursacher sieht; die Gesundheitspolitiker, die überfordert sind, weil sie seit Jahrzehnten die „alternde Gesellschaft“ ignoriert haben; vor allem aber wir Alten, denn vielen von uns frisst die Angst die Lebensfreude auf.

P.S.: Wie lesen uns bald wieder!

Wer ist die Alte?

Die Alte hat ein Journalistenleben hinter sich. Zuletzt schrieb sie einige Jahre lang die Kolumne „Alt, na und?“ im KURIER. Nun ist sie modern geworden und ins Netz gegangen…

Sie haben ihr etwas zu sagen? Bitte sehr…
briefkasten@diealte.at

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