Warum sagt man uns Alten immer öfter und immer offener: Du gehörst nicht mehr dazu? Freundlicher ausgedrückt: Wieso verstehen weder Staat noch Wirtschaft, dass das Ignorieren der Vielfalt eines Fünftels der Bevölkerung respektlos, undemokratisch und unlogisch ist?
Durch die Pandemie wurde unser Leben noch stärker computerabhängig. Der Optimist in mir sagt, dass das für uns Alte ja gut ist. Ich kann mir etwa beschwerliche Amtswege sparen. Wer heute die 60 überschreitet, hat meist aus dem Beruf langjährige Erfahrung mit Computer und Internet: In keiner anderen Altersgruppe ist in den letzten Jahren die Zunahme der Internetnutzung so sprunghaft angestiegen wie bei den 60+. Sie unterscheiden sich kaum mehr von den Jüngeren.
Also kann der Staat ruhig alle sein Bürger ins „digitale Amt“ einbestellen, können Banken für reale Dienstleistungen am Schalter Gebühren verlangen, die man im Internet vermieden hätte?
Nein.
Gerade bei der Digitalisierung müsste Vater Staat (und nicht nur er) einmal auf seine Bürger eingehen. Für 60, 70jährige ist der Computer Alltag, für 80, 90jährige (das sind mehr als eine halbe Million Österreicher!) oft etwas Fremdes. In keiner anderen Altersgruppe packt man 40 Lebensjahre unter einen Hut. Zwischen einem Kleinkind und einem 39jährigen wird natürlich differenziert. Nur wir sind eine graue Masse: Alt ist alt ist alt – ob 60 oder 100.
Und aus Erfahrung wird Vater Staat auch noch dumm. Schon bei der Corona-Impfanmeldung vor mittlerweile fünf Jahren war für viele der rund 1,25 Millionen (vulnerablen!) Über-70jährigen das Internet eine Hürde. Die zwang man in die stundenlange Warteschleife am Telephon oder machte sie von fremder Hilfe abhängig.
Doch daraus hat man nichts gelernt. Auf ein Wiener Bezirksamt darf man nur mit Online-Anmeldung (oder nach elendslangen Anruf-Versuchen). Und jetzt der staatliche Reparaturbonus: Man muss ja nicht jedes elektrische Gerät gleich wegwerfen, nur weil die Reparatur teurer ist als ein Neukauf. Super! Aber: Den Reparaturbon muss man sich aus dem Internet herunterladen, nur dann bekommt man einen Teil der Kosten ersetzt. Dabei ist es gerade die älteste Generation, die noch gerne etwas richten ließe und bei der hohen Inflation Probleme mit den Finanzen hat.
Und wieder ist eine Chance vertan, alte Menschen nicht auszuschließen und in Hilflosigkeit, Abhängigkeit und Resignation zu treiben. Vertan ist auch die Chance des Staats, Vorbild für die Wirtschaft zu sein, die vieles teurer macht, was nicht im Internet erledigt wird. So gibt‘s ausgerechnet die günstigen Sparschiene-Tickets der staatlichen ÖBB nur online. Darf ich mit 80 nicht mehr günstig verreisen?
In Spanien haben sich die Alten zu wehren begonnen. Das ist auch bei uns überfällig. Denn der Satz „Hilf Dir selbst, sonst hilft Dir keiner“ ist für niemanden zutreffender als für uns Alte.
P.S.: Bis bald – in vier Tagen!
