DIE ALTE

ALT SEIN IST KEINE KATASTROPHE

Zeit zu schreien! Laut. Und für Rudolf Taschner.

13.05.2026

Darf man als Alter auch einmal laut schreien, wenn der Wahnsinn Methode hat? 

Wir vor allem an Jahren Reiche sind sehr vorsichtig mit unseren Meinungen. Einerseits hat das mit der ureigenen Erfahrung in Kindheit und Jugend zu tun. Unsere Kinder und Enkel machen sich – zum Glück – keine Vorstellung davon. Die schrecklichen Kriegserzählungen, die schon die Weigerung auslöste, den Teller mit dem ungeliebten Spinat leer zu essen. Die moralinsauren bis süffisanten Abwertungen, als der Rocksaum übers Knie rutschte. Die Weltuntergangsszenarien, die über uns hereinbrachen, als die Beatles unsere Herzen und Ohren eroberten. Alles erlebt und beschlossen: So besserwisserisch und jugendfeindlich wollen wir nie alt werden.

Andrerseits hat man ja nun wirklich schon einiges erlebt, hat verstehen müssen, dass nichts auf der Welt eindeutig schwarz/weiß ist, dass Extreme schnell in Gewalt münden. Und man hat gelernt, dass es klug ist, sich keinem Meinungs-Diktat zu unterwerfen, ohne es erst gründlich zu hinterfragen. Und trotzdem halten wir Alten uns vornehm zurück mit unseren Einwürfen – unter dem Motto: Wir haben ja nicht mehr mitzureden?!

Nein. Nicht mit mir.

Ich schreie heute einmal laut.

Seit einiger Zeit wird mir gepredigt, dass es absolut unmöglich, beleidigend und sogar unmenschlich wäre, jemanden aufgrund seines Aussehens zu fragen, woher er kommt. Da dachte ich doch immer, dass diese Frage Interesse am Mitmenschen signalisiert? Wie man sich irren kann. Oder doch nicht?

Darf ich auch jemandem, der nicht hinaufreicht, die Dose aus dem obersten Supermarkt-Regal nicht mehr herunterholen? Früher nannte man das Hilfsbereitschaft. Heutzutage wird es als ungebührlicher und beleidigender Hinweis verstanden, dass er mit einer vertikalen Herausforderung beim Größenwachstum zu kämpfen hat.

Muss ich mir als Österreicherin wirklich, wie es die Universitäts-Mode derzeit vorschreibt, wegen der bösen Kolonialmacht-Vergangenheit an die Brust klopfen, ohne rückzufragen, ob damit die entsetzliche österreichische Unterdrückung in Franz-Josef-Land gemeint ist?

Muss ich demütig hinnehmen, dass das simple kleine Einmaleins – 2 x 2=4 – nichts mit mathematischer Objektivität zu tun hat, sondern das Resultat des rassischen Überlegenheitsdenkens der Weißen ist? (Sollten Sie glauben, ich übertreibe, dann googeln Sie bitte „Ethnomathematik“.) Ich dachte immer, wenn wir diese Übereinkunft einmal aufkündigen, bricht die ganze Zivilisation zusammen. Erinnert sich denn keiner an die peinlichste Stunde der NASA, als 1999 der „Mars Climate Orbiter“ verglühte, statt auf dem roten Planeten zu landen, weil ein Kontrollzentrum in Inches und Fuß gerechnet hatte und ein zweites in Zentimetern und Metern? So viel zur Ethnomathematik.

Apropos Mathematik: Nur weil er nicht auf der Gender- und Postkolonialismus-Mode mitschwimmt und auch die in diese Richtung tendierende vom Steuerzahler finanzierte Forschungsförderung kritisiert, hat der Senat der Uni Wien Professor Rudolf Taschner das goldene Ehrendoktorat verweigert. Er hat wohl auch den großen Fehler gemacht, das Schreckgespenst Mathematik so zu popularisieren, dass man nachgerade Gusto bekommen hat, über das unverrückbare 2×2=4 hinauszulernen – aber die Ethnomathematik hat er uns nicht beigebracht. Vielleicht war das die Unterlassungssünde, die ihn um die Ehrung der Alma Mater brachte?!

Ja, der (modische) Wahnsinn hat Methode.

Zeit zu schreien. 

‚P.S.: Sobald ich ausgeschrien habe, komm ich wieder. Wird so vier Tage dauern….

Wer ist die Alte?

Die Alte hat ein Journalistenleben hinter sich. Zuletzt schrieb sie einige Jahre lang die Kolumne „Alt, na und?“ im KURIER. Nun ist sie modern geworden und ins Netz gegangen…

Sie haben ihr etwas zu sagen? Bitte sehr…
briefkasten@diealte.at

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