DIE ALTE

ALT SEIN IST KEINE KATASTROPHE

Kann das Ich alt werden?

19.02.2026

Ist Altsein tagesfüllend? Ist es eine Vollzeit-Beschäftigung? Anders gefragt: Bestimmt es unseren Wert (außer für die Pensionskasse)? Sagt es etwas darüber aus, wer wir sind? Gibt’s ein „altes“ Ich? So formuliert ist die Antwort einfach: Na sicher nicht.

Irgendwie hat es sich eingebürgert, sich über die Arbeit zu definieren. Man ist Schulkind, Lehrling, Student, Beamter, Mechanikerin, Generaldirektor. Und dann ist man alt. Weg ist sie, die Selbst-Definition. Plötzlich ist man also – nichts? Man hätte vielleicht das „Ich“ auch schon im „aktiven“ Alter mehr über die wichtigeren Daseinsformen beschreiben sollen – vor allem für sich selbst. Man ist doch Sohn, Mutter, Freund, Partner, Seelenverwandte. (Bei „Großvater“ ist ein gewisses Alter halt Voraussetzung.)

Und das hört nicht auf, schon gar nicht, wenn man in Pension geht.

Auch Jungsein ist keine allgegenwärtige Bewusstseinslage. Oder das Mittel-Alter (in dem ohnehin keiner Zeit hat, sich des eigenen Alters bewusst zu sein). Warum dann denken wir Alten uns selbst ständig „alt“? Noch dazu, wo doch keiner alt sein will?

Ja, es gibt Momente (und die können gefühlte Ewigkeiten dauern), da ist „alt“ das alles bestimmende Lebensgefühl – wenn das verschlissene Knie schmerzt, die abgenutzte Schulter blockiert, die trüben Augen Kleingedrucktes nicht mehr entziffern können, das Herz nach fünf Stufen rast. 

Aber wenn gerade nichts ziept oder quält – da sind wir doch genauso „alterslos“, wie wir das ganze Leben vorher auch schon waren. Dann sind die vielen anderen Lebensrollen wichtig, die vielen verschiedenen „Ichs“, die unsere ganz eigene Person ausmachen. Dann gehen zwei Freundinnen ins Kaffeehaus und nicht zwei alte Schachteln. Dann spielen zwei Sportpartner Tennis und nicht zwei alte Knacker (vielleicht ein bisschen langsamer und weniger schneidig als vor ein paar Jahren, aber doch). Dann ist man Jazz-Liebhaberin, Cineast, ehrenamtlicher Feuerwehrmann oder Vorleserin, Wanderer, Genießer. Spielt’s da eine Rolle, dass man „alt“ ist? Eben.

Und das ist ein Grund mehr, Gedanken-Fallen, die man sich selbst auslegt, aus dem Gehirn zu räumen. Etwa den verhängnisvollen Satz: „Dafür bin ich zu alt“. Natürlich, wir haben viele Lebensjahre auf dem Buckel. Aber „zu alt“ für neue Erfahrungen? Für Geselligkeit? Für den Lieblingssport? Für Triviales wie ein feuerrotes Hütchen und für Überdrehtes wie Lach-Yoga? Zu alt für ein neues Verliebtsein?

„Dafür bin ich zu alt“ ist ein Fehl-Urteil, mit dem wir uns selbst Unrecht tun. Mit dem wir uns das Glück der gewonnenen Jahre absprechen, die Lebensfreude verderben. Es heißt nicht „alt, aber“, sondern „alt und“ glücklich, froh, neugierig, lustig, gesellig – aber man kann das „alt“ ruhig weglassen und nur das Leben feiern. Und darauf verstehen wir uns durch langjährige Erfahrung alterslos gut.

P.S.: Und wieder dauert’s nur vier Tage für neue alte Gedanken….

Wer ist die Alte?

Die Alte hat ein Journalistenleben hinter sich. Zuletzt schrieb sie einige Jahre lang die Kolumne „Alt, na und?“ im KURIER. Nun ist sie modern geworden und ins Netz gegangen…

Sie haben ihr etwas zu sagen? Bitte sehr…
briefkasten@diealte.at

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