DIE ALTE

ALT SEIN IST KEINE KATASTROPHE

Fortschreitende Alternde

14.02.2026

Warum wird immer um den heißen Brei herumgeredet, wenn es um uns Alte geht? Man stammelt lieber Verlegenheits-Ausdrücke, redet von Senioren (und alle anderen sind Junioren?), Silberrücken und Golden Girls (hinter unserem Rücken heißt’s dann alte Schreckschraube oder komische Alte). Besonders hübsch sind auch die „Personen fortgeschrittenen Alters“ . Vor allem gefällt mir das „fortgeschritten“.

Dieses unser Alter schreitet – es eilt, geht, (ent-)läuft also nicht. Nein, es schreitet – bedächtig, würdig, nahezu königlich. Warum gibt’s dann auf den Photos alter Menschen immer den Verfall signalisierenden Stock oder Rollator? Nur weil Vorurteil Vorurteil bleiben muss?

Nächste Frage: Wohin schreitet dieses Alter – einfach fort? Ist es weg? Leider nein. Angekommen ist es ja bei uns. Und warum die Vergangenheit – „geschritten“? Steht es jetzt still? Hier würde doch das Präsens-Partizip einmal passen, das als der Gender-Weisheit letzter Schluss gilt und trotzdem falsch ist (Sie wissen schon: die schlafenden Studierenden). 

Was wir erleben, ist das „fortschreitende“ Alter. Oder – doppelt hält besser: Wir sind fortschreitende Alternde. Vorwärts. Immer weiter. Ohne (Verschnauf-)Pause. Der unablässige Fortschritt.

Ha! Wir Alten und der Fortschritt?! Da heißt’s doch immer, wir könnten nicht mit mit der neuen Zeit, wollten lieber verweigern, stehen bleiben, ja, die Flucht zurück antreten. Alles falsch: Wir sind nachgerade die Elite des Fortschritts. Aber ehrlich gesagt, ist dieser Fortschritt auch nicht mehr das, was er einmal war. 

Es ist hoch an der Zeit, das absurde Theater mit der Bezeichnung „die Alten“ sein zu lassen. Schließlich ist das Wort keine Beleidigung. Aber halt: Wenn es den Noch-nicht-Alten nicht ohne Schamesröte über die Lippen kommt, dann meinen sie es vielleicht wirklich negativ. Sehen sie uns Alte nur als aufgebrauchtes Humankapital, das zur erdrückenden Schulden-Last für Pensions-, Gesundheits- und Staatskassen geworden ist (freilich mit Ausnahme der eigenen Großeltern…)?

Wir brauchen keine neuen Namen, kein Schönreden. Wir sind die erste Generation der „neuen“ Alten, die vom medizinisch-technischen Fortschritt und den Jahrzehnten des Wohlstands profitieren dürfen. Aber wir sind nur die erste von vielen. Mit uns muss sich das Bild, aber vor allem der Umgang mit dem Alter ändern. 

Man kann nicht bis zu 40 gewonnene Lebens-Jahre verschwenden. Der sonst so moderne „Individualismus“ muss besonders für uns Alte gelten. Jeder wie er kann und will, ohne Zwang aus dem Leben hinaus oder in Schablonen hinein. 

Sagt ruhig „Alte“ zu uns – aber lasst uns mit-gestalten, mit-arbeiten, mit-leben. Das ist Fortschritt. Das ist Zukunft.

P.S: Die Alte gibt es wieder , wenn vier Tage ins Land geschritten sind

Wer ist die Alte?

Die Alte hat ein Journalistenleben hinter sich. Zuletzt schrieb sie einige Jahre lang die Kolumne „Alt, na und?“ im KURIER. Nun ist sie modern geworden und ins Netz gegangen…

Sie haben ihr etwas zu sagen? Bitte sehr…
briefkasten@diealte.at

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