DIE ALTE

ALT SEIN IST KEINE KATASTROPHE

Schöner Rat ist selten

6.02.2026

Warum will man uns das Altsein immer noch weiter erschweren? Als ob die Zipperchen und Zapperchen, mit denen wir uns herumschlagen müssen, nicht schon heftig genug wären. Die steifen Glieder, die aus dem geplanten Sprung aus dem Bett ein morgendliches akrobatisches Kunststück machen – der Morgenclown. Die Verknotungen und Verrenkungen, die wir durchführen müssen, wollen wir uns vom unsanft und unbeabsichtigt besuchten Boden wieder erheben – eine herkulessische Anstrengung für die Lust am aufrechten Gang.

Nein, das reicht ihnen nicht, all den jungen und mittelalterlichen Weisen, die wissen wollen, wie das Altsein geht. Haben die eine Ahnung! Da erlegen sie uns auch noch Kasteiungen auf (Kein Tropfen Prosecco! Jeder Schluck Alkohol ist Gift!) , nötigen uns zum Schrittezählen (Mindestens 7000 pro Tag!) – und das genügt ihnen auch schon wieder nicht, jetzt muss Alterchen beim Ausschreiten auch mindestens dreimal ins Schwitzen kommen (dreißig Sekunden laufen, dann zehn Minuten gehen und das immer wiederholen!), als ob wir Rehlein wären – haben die noch nie das nicht gerade ästhetische Erlebnis gehabt, wenn sich ein Vierteljahrhundert abgenützter Knochen zum Laufen aufschwingt?! Essen soll bunt, aber aber selten sein (20 verschiedene Lebensmittel täglich, aber bitte nur zwischen 6 und 13 Uhr – der Rest ist zwar nicht Schweigen, aber Intervallfasten). Und immer heißt es: Wenn Sie sich täglich viele Stunden quälten, leben Sie sicher mindestens drei Minuten länger. Naja. Dafür trink‘ ich kürzer.

Alters-Ratgeber, die Freude, Lust und Lachen empfehlen, die die gesunde Wirkung betonen, wenn wir auch als Alte täglich das Wunder Leben feiern, sind mehr als rar. Darum verdienen sie besondere Aufmerksamkeit. Gerade ist mir eine solche goldene Nadel im Heuhaufen der sauertöpfischen Altersempfehlungen untergekommen – die will ich Ihnen nicht vorenthalten.

Es gibt neben richtiger Ernährung (oje), ausreichend Schlaf (huch, aber wie?), gezielter Bewegung (gähn) und dem Aufenthalt in der Natur (ja, ja und nochmals ja) eine „vergessene fünfte Säule“, die die Gesundheit unterstützt. Das haben diverse groß angelegte medizinische Studien herausgefunden: Kunst und Kreativität haben eine handfeste positive Wirkung auf unsere geistige und körperliche Gesundheit.

Und man muss kein Mozart, kein Michelangelo, kein Paul Celan sein. Singen mit dem Enkelkind hilft, aber auch ein Musikstück wirklich anhören (nicht daneben herplätschern lassen). Der ungeschickteste Versuch, den wunderschönen Baum, der Cezanne begeistert hätte, selbst aufs Papier zu bannen, hilft. Ein Museumsbesuch auch. Und die künstlerische Kreativität ist nicht auf die „hohen“ Künste beschränkt – nein, auch eine Torte zu dekorieren ist künstlerische Betätigung oder eine Neukreation im Kochtopf. All diese angenehmen Betätigungen, so zeigen umfangreiche medizinische Studien, verzögern den Verfall unserer geistigen Fähigkeiten, mindern das Risiko von Herzerkrankungen und erhöhen das Wohlbefinden im Alter.

Bücher zu lesen, so fand man heraus, lässt länger leben.

Natürlich: Es geht dabei immer ums Ganze. Um die ganze Aufmerksamkeit, das tiefe Engagement, das vollständige Eintauchen in das Kunst-Erlebnis oder auch die volle Konzentration auf die ungelenken Schritte beim Entdecken der eigenen Kreativität.

Ist das nicht schön? Solche Alters-Ratschläge befolgt man doch gern – endlich einmal nicht das Verdammtwerden zu Askese und Verzicht. Darum: Auf ins Museum und schon schenkt ihnen Gustav Klimt eine Stunde (?) Lebenszeit. Und wenn’s nicht mit der Verlängerung klappt, so hat er Ihnen Lebenszeit voll Freude geschenkt. Ist ja fast noch wichtiger.

Übrigens: Sollten Sie mich tadelnd fragen, warum ich mich mit diesem Beitrag um einen Tag verspätet habe – jetzt wissen Sie’s: Die Alte war im Museum und hat dort die Zeit vergessen. Pardon.

P.S.: Nächstes Mal wieder pünktlich: Auf Wiederlesen in vier Tagen!

Wer ist die Alte?

Die Alte hat ein Journalistenleben hinter sich. Zuletzt schrieb sie einige Jahre lang die Kolumne „Alt, na und?“ im KURIER. Nun ist sie modern geworden und ins Netz gegangen…

Sie haben ihr etwas zu sagen? Bitte sehr…
briefkasten@diealte.at

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