Da soll noch einer sagen, wir Alten wären nicht lernfähig! Wir seien nur dickköpfig daran interessiert, dass sich ja nichts ändert, was uns seit Jahrzehnten vertraut ist? Im Gegenteil. Wir sind diejenigen, die mit Traditionen brechen – zumindest mit unsinnigen. An diesem Silvester-Abend liefern wir wieder den Beweis dafür.
Nicht, dass „Altersweisheit“ dagegenspräche, bei allerlei Althergebrachtem zum Jahreswechsel mitzumachen. Schließlich ist da viel Schönes, Lustiges und Herzerwärmendes dabei. Das beginnt beim Menü (unbedingt Linsen – dann fließt der künftige Geldstrom nur so!), geht über abergläubische Vorschriften (Biskuit-Fisch nur von hinten essen!) und reicht bis zum Donauwalzer. Ob er tatsächlich oder nur gedanklich getanzt wird: Wir Alten haben allen Grund, dankbar und freudig schwungvoll hinüberzuwirbeln in noch ein Jahres-Geschenk, genauso voller Hoffnung und Neugier wie die Jüngeren. Außerdem tut gerade uns jedes Lachen, jede Freude, sogar jeder Übermut gut…
Nur eines haben wir gelernt: Keine guten Vorsätze mehr! Auf dieses Ritual lässt sich leicht verzichten, denn es führt nur zu Enttäuschung über das mangelnde eigene Durchhaltevermögen. Ein Euro für jeden hehren Vorsatz (Nicht mehr rauchen! Abnehmen! Regelmäßig Sport betreiben!), der in den nächsten sechs Wochen in Österreich gebrochen wird, und ich befinde mich auf dem Weg zum Alpen-Elon Musk. Eben. Also Schluss mit den guten Vorsätzen.
Obwohl…
Gut, dass mein unnötiger guter Vorsatz für 2026 nicht heißt, mir selbst treu zu bleiben – denn ich werde mir doch etwas vornehmen! Natürlich nichts von der Sorte, mit der man die eigenen Fehler korrigieren möchte, nein, nein, mit meinen Fehlern kann ich gut leben. Ich nehme mir fürs Neue Jahr vor, so viele neue Dinge zu machen, wie ich Jahre zähle: 75! Das heißt, grob gerechnet: Alle fünf Tage etwas Neues.
Das könnte natürlich in Stress ausarten, aber dieser Stress ist sicher positiv – denn mich packt schon jetzt die Vorfreude auf all die Entdeckungen und Erfahrungen, die da im Fünftages-Rhythmus auf mich einprasseln werden. Und dabei denke ich nicht an Kinkerlitzchen wie eine Kanu-Fahrt über den Amazonas oder einen Fallschirmsprung. Ich fange klein an: Ich koste etwas, was ich noch nie gegessen habe. Nach fünf Tagen zeichne ich erstmals die Aussicht aus meinem Fenster. Wieder fünf Tage später gehe ich in ein Hutgeschäft und probiere ein lila Hütchen (lache mich bei meinem Anblick schief und gehe wieder). Mit der Zeit werde ich mutiger mit der Eroberung des Neulands. Mit fremden Menschen ins Gespräch kommen vielleicht. Oder mit den Kindern im Park Tempelhupfen (gilt auch, weil seit Jahrzehnten nicht gemacht).
Das wird ein lustiges Jahr, das der Alten viel Neues bringt – das sie sich selbst schenkt, wenn sie nur über ihren Schatten springt. Und das ist überhaupt der beste Vorsatz.
In diesem Sinne: Prosit 2026!
P.S.: Auch im Neuen Jahr gibt’s Neues von der Alten – in vier Tagen wieder.
