DIE ALTE

ALT SEIN IST KEINE KATASTROPHE

Ich will nicht „gut“ werden!!!!

31.07.2026

Nicht einmal mehr die Unterhaltungsindustrie kommt an den Alten vorbei. Sie werden eben immer zahlreicher und selbstbewusster. Logisch, dass das Alter zum Thema wird. In unseren Breiten geht’s zwar meist noch sehr angestrengt um Hinfälligkeit, Generationenkonflikt und (zeitlich gesehen einigermaßen daneben) Vergangenheitsbewältigung. In Frankreich, England, Spanien etwa und in den USA ist das Themenspektrum reicher. 

Manchmal darf herzlich gelacht werden, ohne dass die bejahrten Protagonisten jemals lächerlich gemacht würden – in guter Nachfolge der „Golden Girls“ der 80er jetzt etwa bei „Grace und Frankie“. Manchmal wird recht klischeehaft die Enkel-Liebe zur dementen Großmutter oder zum wortkargen, vereinsamten Opa gefeiert. Auch die von der Gesellschaft oft scheel beäugte sehr (aber nicht: zu) spät erwachende Liebe zwischen zwei alten Menschen wird ohne Kitsch und Vorurteil und trotzdem poetisch geschildert. 

Ja, die Alten sind ein Thema. Ein gutes Sujet.

Gut: Das ist das eigentliche Reizwort. Ein Erzählstrang wird ärgerlicherweise allzu oft bemüht: ein böser Mensch wird alt und plötzlich, völlig unerwartet, engelhaft gut. Der skrupellose Wirtschaftsboss hat einen Schlaganfall, kann dann zwar nicht mehr verständlich sprechen, aber wird zum selbstlosen Gönner der alleinerziehenden Putzfrau. Oder der kokainabhängige Popstar erinnert sich zu einem sehr runden Geburtstag, dass es einen Sohn gibt, den er nie gekannt hat – und schon hilft der verlorene Vater dem spät gefundenen Sprössling die Krebserkrankung zu überstehen. Oh, wie gut (ach, wie schlecht, sogar wenn Al Pacino spielt)!

Ich frage mich: Warum erwartet man, dass ein Mensch, wenn er alt wird, automatisch gut wird (wenn er es früher nicht war)? Ist das ein geheimer Mechanismus (der mir verborgen bleibt) oder nur eine gesellschaftlich erwünschte tektonische Veränderung der Innenwelt, die den Umgang mit den Altvorderen problemloser machen würde? Darf ich nicht weiter meine Schrullen haben, auch wenn sie für meine Umwelt anstrengend sein mögen? Darf ich nicht weiter meine Nächstenliebe nur auf Familie und Freunde richten? Warum soll mich die Last der Jahre zur Umkehr zwingen?

Erfahrungsgemäß verstärken sich die guten wie die schlechten Eigenschaften mit den Jahren. Die Aufgabe, die Selbstkritik nicht zu verlieren, ist schwierig genug. Man will ja schließlich kein böses altes Weib werden und in der Vereinsamung stranden wie ein verirrter Wal. Aber die unverhoffte Güte der silbergrauen Jahre – das halte ich für eine Illusion. Manchmal ist keppeln auch ganz schön….

P.S.: Und immer wieder Freitag….

Wer ist die Alte?

Die Alte hat ein Journalistenleben hinter sich. Zuletzt schrieb sie einige Jahre lang die Kolumne „Alt, na und?“ im KURIER. Nun ist sie modern geworden und ins Netz gegangen…

Sie haben ihr etwas zu sagen? Bitte sehr…
briefkasten@diealte.at

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