Irgendetwas stimmt nicht mit dem Alphabet. A ist doch der erste Buchstabe, der, mit dem es anfängt, der positiv aufgeladen ist wie kaum ein anderer: Du bist mein A und O etwa. A verspricht schier grenzenlose Möglichkeiten – wenn der Plan A nicht klappt, gibt’s ja noch 25 weitere Buchstaben. A steht für Anfang, Abenteuer, Aktivität, Auftakt und, ha, es soll großgeschrieben sein: für Alles. Viele schöne Worte lassen sich durch A-Worte ersetzen: Magie – sagen wir halt „Abracadabra“ – oder Liebe – ganz einfach Amour, das muss niemand im Wörterbuch nachschlagen.
Aber dann gibt’s das Wort, das aus der Reihe tanzt. A – lt.
Es ist immer noch ein Schlag auf den Kopf, ein Signal für Ende, Schluss und Punkt. Abgehalftert, abgeschoben, ausgeschlossen? Aus für ein Fünftel der Bevölkerung? Abgemeldet die berühmten 60+, die mit noch einer erklecklichen Anzahl guter Jahre rechnen dürfen? Sie nur als teure Belastung betrachten, die man widerwillig mitnimmt, ohne sich viel zu überlegen (etwa, wie man Pflegebedarf vermeiden hilft, statt über seine Unfinanzierbarkeit zu jammern)?
Da braucht’s ein A wie Anfang – vom Ende: Schluss mit der Alters-Verachtung!
Ganz langsam beginnt eine Änderung. Viel zu langsam, aber doch. Seit rund drei Jahren sind wir über 70-Jährigen – man würde es nicht glauben!!! – kreditfähig! Da wird die Bedeutung der Alten als Wirtschaftsmacht und als die Zukunft mitdenkende und mitgestaltende, wechselbereite Wählerschaft vielleicht auch noch irgendwann (an)erkannt werden. Noch reduziert man uns auf brave Kreuzerlschreiber, die sich nur für Inkontinenz-Windeln und Erektions-Hilfen interessieren: Diese dummen Denk-Klischees sind a wie altmodisch. Weg damit!
Wenn wir aber auf Abhilfe von außen warten, dann brauchen wir einen längeren Atem, als wir noch haben. Das negative Altersbild entsteht nicht erst, weil Jüngere uns abwerten: Abwerten funktioniert nur so lange, wie wir es selbst tun.
So lange wir selbst ein „Schreckens-Bild Alter“ in uns tragen und uns vor allem danach verhalten, wird es weiter nur als der teure, graue Wartesaal auf den Tod gesehen und übersehen werden.
Alter heißt heute aber nicht mehr A wie Abstieg, sondern D wie Durchstarten. Nach 35, 40 Jahren Arbeit (ob ein- oder mehrfach belastet) ist es Zeit für die vielbeschworene Work-Life-Balance – mit Betonung auf Life. Leben eben. Und das beginnt mit A-ktivität – körperlicher, auch wenn’s weh tut, und geistiger. Täglich zwei neue Worte lernen, lautet der Experten-Rat. Es führt zu A-benteuern – nicht nur im Kopf, sondern mutig auf unbekanntem Gelände, das oft vor der Haustür liegt.
Vielleicht braucht es nur ein bisschen a-narchistisches A-ltsein und man landet in A-ltersglück und A-ltersfreude?
P.S. Auf Wiederlesen in vier Tagen!
